Finanzieller Stress in Deutschland: Auswirkungen auf Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen

Sep 8, 2020

Überschuldung & finanzieller Stress in Deutschland

Finanzieller Stress in Deutschland ist keine Seltenheit. Basierend auf Auswertungen der Datenplattform Statista, waren im Oktober 2019 6,9 Millionen Bürgerinnen und Bürger überschuldet, bei einer Überschuldungsquote von knapp 10%. Legt man die gesamte Schuldenlast auf die Einwohner*innen in Deutschland um, liegt laut des statistischen Bundesamtes in Deutschland die durchschnittliche Schuldenbelastung pro Einwohner*in bei knapp 6.190 EUR. In Folge dessen haben im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 580.000 Menschen wegen finanzieller Probleme Hilfe von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Anspruch genommen und rund 10,6 Millionen Erwerbstätige in Deutschland konnten unerwartete Ausgaben i.H.v. 1.000 EUR ad hoc nicht bewältigen. Dabei ist es nicht verwunderlich, dass in Deutschland finanzieller Stress zu den Top 3 Stressfaktoren zählt.

All diese Daten lassen erahnen, dass finanzieller Stress innerhalb der Bevölkerung in Deutschland ein allgegenwärtiges Thema ist. Dabei stellt sich die Frage, was die Ursachen für finanziellen Stress sind, wie sich finanzieller Stress auf Privat- und Berufsleben auswirkt und wie finanzieller Stress bewältigt oder gar präventiv dagegen vorgegangen werden kann.

Ursachen für finanzielle Schieflagen und daraus resultierender finanzieller Stress in Deutschland

Zunächst stellt sich die Frage, was genau die Ursachen für finanzielle Schieflagen und daraus resultierendem Stress für Personen in Deutschland sind. Laut einer Studie der Universitäten Mainz und Erlangen-Nürnberg sind für ca. ⅓ der befragten Klienten und Klientinnen von Schuldnerberatungen Krankheiten, Unfälle oder Sucht Hauptgründe für eine Überschuldung. Neben diesen Ursachen spielen außerdem geringes Einkommen, überteuerte Kredite (z.B. Konsum- oder Überziehungskredite), Kündigung oder lange Lohnzyklen eine entscheidende Rolle beim Thema Schulden.

Gerade lange Lohnzyklen sind immer wieder ein ausschlaggebender Punkt, wenn es um die Entstehung von Schulden aufgrund ungeplanter Kosten geht. Hierbei ist es zunächst wichtig zwischen geplanten und ungeplanten Kosten zu unterscheiden. Planbare finanzielle Belastungen wie z.B. Haushalts- oder Wohnkosten (¼ des Haushaltseinkommens wird für Miete ausgegeben) stellen zwar einen erheblichen Anteil der monatlichen Belastungen dar, allerdings kommen diese nicht unerwartet und stellen ein geringeres Risiko für eine unerwartete finanzielle Notlage dar. Ungeplante Kosten hingegen stellen Personen immer wieder vor finanzielle Herausforderungen, da das für die Bewältigung benötigte Geld nicht zur Verfügung steht. Fällt der Zeitpunkt, an dem ungeplante Kosten auftreten, nicht zufällig auf das Datum des Zahltags des Arbeitgebers, entsteht für eine gewisse Zeit ein finanzieller Engpass. Besonders bedenklich ist es, wenn der/die betroffene Arbeitnehmer*in bereits 20 Tage seines Gehaltes verdient hat, auf dieses allerdings nicht zugreifen kann. Oftmals bleibt hier nur der Gang zu Bekannten und Verwandten oder zur Hausbank.

Kurzfristige Kredite als fehlerhafte Symptombekämpfung

Unerwartet entstehende Ausgaben bringen Personen in Deutschland immer wieder in Notsituationen und finanzielle Schieflage. Oftmals mangelt es an Alternativen so dass vielen nur der Gang zur eigenen Hausbank bleibt. Gerade davon profitieren allerdings Banken in Deutschland. Zwar steht für Banken offiziell der Vermögensaufbau ihrer Kunden im Mittelpunkt, allerdings erwirtschaften Kreditinstitute besonders im derzeitigen Niedrigzinsumfeld hohe Einnahmen mit Überziehungskrediten. Diese werden eben genau dann benötigt, wenn kurzfristig unerwartete Ausgaben entstehen, welche Kunden nicht tilgen können. Bei kurzfristiger Inanspruchnahme eines Überziehungskredits werden durchschnittlich 8-9% Zinsen fällig, was Banken in Deutschand laut Bundesbank ein Dispo- und Überziehungskrediten Volumen von rund 31 Milliarden EUR beschert hat – allein im vergangenen Jahr. Außerdem gelten bei Überziehungskrediten keine geregelten Rückzahlungsbedingungen was dazu führt, dass Kunden oft über einen langen Zeitraum einen überteuerten Kredit bedienen. Aufgrund der hohen Zinsen entsteht eine Schuldenfalle. Betroffene haben oft Schwierigkeiten mit der Rückzahlung aufgrund hoher zusätzlicher Gebühren. Folglich kann der Kredit über einen längeren Zeitraum nicht getilgt und der Schuldenkreislauf nicht unterbrochen werden. Ergebnis dieses Teufelskreises ist finanzieller Stress, der sich auf das Privat- sowie Berufsleben von Personen auswirkt.

Auswirkungen von finanziellem Stress für Mitarbeiter und Firmen

Die Auswirkungen von finanziellem Stress sind vielfältig und betreffen meist zwei Seiten. Betroffen sind zum einen die Personen selbst und deren privates Umfeld, zum Anderen aber auch der/die Arbeitgeber*in der finanziell gestressten Mitarbeiter*innen.

Finanzieller Stress wirkt sich negativ auf die Gesundheit von betroffenen Personen aus. Nicht selten leiden Betroffene unter Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder gar Depressionen. Gerade diese Auswirkungen sind es aber, die es Betroffenen noch schwerer macht, den Weg aus der finanziellen Schieflage zu schaffen. Laut einer Studie der Universitäten Mainz und Erlangen-Nürnberg sieht sich jeder/jede siebte Klient*in einer befragten Schuldenberatung aufgrund oben genannter Symptome nicht in der Lage die eigenen Schulden in absehbarer Zeit zu bewältigen. Eine erfolgreiche Schuldenregulierung jedoch zeigt, dass sich der Gesundheitszustand der betroffenen Klienten und Klientinnen spürbar verbessert. Des Weiteren ist Isolation oft eine weitere Folge von finanziellem Stress. Betroffene können aufgrund von fehlendem Geld nicht mehr am sozialen Leben teilnehmen. Kinobesuche oder Abendessen mit Bekannten sind nicht mehr möglich.

Auf der anderen Seite ist oftmals auch das Arbeitsumfeld und damit der/die Arbeitgeber*in der betroffenen Person direkt betroffen. Hierbei reichen die Auswirkungen von starkem Produktivitätsverlust, über Anstieg von Krankheitstagen bis hin zu steigender Fluktuation im Unternehmen. Nicht selten fällt für Unternehmen außerdem großer organisatorischer Aufwand durch beispielsweise auftretende Lohnpfändungen an. All diese Auswirkungen haben eine Sache gemeinsam: sie kosten eine Firma bares Geld. Aufgrund von Mehraufwand, Produktivitätsverlust und erhöhten Fehlzeiten, hat finanzieller Stress von Mitarbeitern*innen somit direkten Einfluss auf die Bilanz eines Unternehmens.

Was tun bei finanziellem Stress?

Als letztes stellt sich natürlich die Frage “Was tun bei finanziellem Stress?”. Auch hier ist es wichtig alle betroffenen Parteien miteinzubeziehen, um ein möglichst gesamtheitliches Konzept zur Bewältigung zu entwickeln. Je nach Grad der Überschuldung, ist es wichtig korrekt zu handeln.

Kurzfristige Zahlungsunfähigkeit

(1) Handelt es sich um eine kurzfristig auftretende Zahlungsunfähigkeit aufgrund unvorhergesehener finanzieller Belastungen, gibt es grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Zum einen kann, wie bereits oben genannt, ein kurzfristiger Überziehungskredit in Anspruch genommen werden. Diese sind allerdings stark überteuert und stellen daher langfristig keine Lösung dar.

(2) Des Weiteren wird oft das private Umfeld bei finanzieller Not gebeten einzuspringen. Für beide Parteien ist das meist keine sehr angenehme Situation, da der/die Betroffene offenbaren muss, weshalb er oder sie in eine finanzielle Notlage geraten ist und der/die Geldgeber*in sich dazu verpflichtet fühlt, Geld zu verleihen. Langfristig kann das die Beziehung zwischen beiden Parteien belasten.

(3) Stellen beide Möglichkeiten keine Option für die betroffene Person dar, stellt der Gang zum/zur Arbeitgeber*in eine zusätzliche Option dar. Dabei kann der /die Arbeitgeber*in um ein Arbeitgeberdarlehen oder einem Lohnvorschuss gebeten werden. Allerdings besteht hier oft das Problem von Schamgefühl und starke Einschnitte in die eigene Privatsphäre, weshalb auch der Gang zur Personalabteilung oft nicht als gangbarer Weg erachtet wird.

Genau diesem Problem widmen wir uns seit Mitte 2020 das Startup. LaraPay ist Deutschlands erste App, die es Arbeitnehmern*innen ermöglicht jederzeit direkten Zugang zu bereits verdientem Lohn zu erlangen. Dabei steht LaraPay direkt in Verbindung mit dem/der jeweiligen Arbeitgeber*in, um eine vertrauensvolle Basis zu schaffen. Einmal heruntergeladen und registriert, ermöglicht LaraPay Mitarbeitern*innen von teilnehmenden Unternehmen sich bereits verdienten Lohn anonym auszahlen zu lassen. Am Ende des Monats wird der bereits verdiente Lohn automatisch verrechnet und der Differenzbetrag wie gewohnt überwiesen. Damit wird es Arbeitnehmern*innen ermöglicht auch kurzfristig auf bereits verdienten Lohn zugreifen zu können und finanzielle Engpässe leichter, schneller und vor allem günstiger zu bewältigen.

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Bewältigung von Überschuldung

Für überschuldete Personen ist es wichtig, die Überschuldung zunächst einmal zu erkennen und diese zu akzeptieren. Das ist oft leichter gesagt als getan, da Schamgefühl oder Unwohlsein diesen Schritt oft verzögern oder gar verhindern. Um sich dennoch mit der Überschuldung nicht alleine gelassen zu fühlen, kann der Weg zur Schuldnerberatung sehr hilfreich sein. Was viele nicht wissen ist, dass viele Beratungen kostenlos und unverbindlich angeboten werden. Die Caritas beispielsweise bietet eine kostenlose Online Schuldnerberatung an. Konkret ist es beispielsweise wichtig eine zielgerichtete Umschuldung von hohen Überziehungskrediten zu vollziehen, um langfristig die Schulden tilgen zu können.

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